Betrug mit Werbeanzeigen oder wie man mit Schenken reich wird

Die Masche für den guten Zweck

Auch diese Masche ist bei einer Vielzahl von unseriösen Anzeigenverlagen äußerst populär, denn welcher Unternehmer ist nicht bereit, eine Knochenmarkspenderdatei, einen örtlichen Kindergarten, einen Sportverein oder eine Kampagne gegen Drogensucht bei Kindern und Jugendlichen zu unterstützen.

Je unterstützenswerter dieser soziale oder caritative Zweck dabei erscheint, desto stärker erwächst daraus eine moralische Verpflichtung für den Unternehmer sich zu beteiligen. Wer sich dem verweigern möchte, gerät nicht selten gegenüber dem Anzeigenwerber in massiven Rechtfertigungsdruck zu erklären, warum man eben keinen Anzeigenauftrag erteilen will. Zumal eine Werbeanzeige ja zusätzlich noch einen Werbeffekt hat und gleichzeitig eine völlige legale Betriebsausgabe darstellt. In der Praxis lässt sich beobachten, dass diese Situation immer wieder schamlos, systematisch und leider sehr erfolgreich von betrügerisch agierenden Anzeigenverlagen ausgenutzt wird.

Die Masche:

Diesen Fällen ist immer gemein, dass der Anzeigenwerber sich zunächst als Beauftragter eines gemeinnützigen caritativen Vereines, einer Kirchengemeinde, eines Krankenhauses, eines Sportvereines, eines Tierschutzheimes, einer Drogenpräventionsstelle, etc. vorstellt und erklärt, "er sei der Herr/Frau ..., komme im Auftrag des ..." und mit der Schaltung einer Anzeige würde die Arbeit dieser Institution von dem Werbetreibenden maßgeblich unterstützt oder sogar dass ein erheblicher Teil des Anzeigenpreises der Institution zugeleitet werde.

Die 1. Lüge:

Die erste Lüge besteht hierbei immer darin, dass der Anzeigenwerber durch falsche oder zumindest irreführende Angaben dem Unternehmer den Eindruck vermittelt, der Unternehmer würde direkt mit dem Verein oder der Institution einen Vertrag abschliessen. Diesen Eindruck erzeugt der Anzeigenwerber geschickt durch mündliche Angaben oder auch durch Vorlage eines Empfehlungsschreibens, welches er sich von einem lokalen Sportverein, der Gemeinde, dem örtlichen Tierheim, etc. erschwindelt hat (dazu später noch mehr). Auch der Auftrag, den er am Ende zur Unterschrift vorlegt, weist nur den Unternehmer ausdrücklich als Auftraggeber auf. Nach dem Auftragnehmer, also denjenigen mit dem der Vertrag zustande kommen soll, muss man meist sehr sorgfältig suchen. Denn im oberen Teil des Auftragsformulares ist zwar deutlich erkennbar ein Verlag benannt, dessen Rolle bleibt aber auf einen ersten Blick meist unklar, wird auch nicht erläutert und könnte sich auch allein darin erschöpfen, dass dieser Verlag lediglich die Anzeige und das Werbeobjekt im Auftrag der zu unterstützenden Institution druckt und verteilt.

Tatsächlich ist das nicht der Fall, denn der abzuschliessende Auftrag kommt immer nur zwischen dem Unternehmer und einem ihm in aller Regel bis dato unbekannten Anzeigenverlag zustande.

Die 2. Lüge:

Die zweite Lüge dieses Geschäftes besteht darin, dass der Verein oder die Institution eben nicht maßgeblich unterstützt wird und vor allem keine erhebliche finanzielle Zuwendungen aus dem Werbeauftrag erhält. Erkennen lässt sich das immer daran, dass der Anzeigenwerber bei diesen Angaben nie konkrete Zahlen nennt und dass auch im Kleingedruckten des Vertrages hierzu keinerlei Angaben zu finden sind. Denn es liesse sich sicher trefflich streiten, ob eine Unterstützung für zB ein Tierheim von 1.500 € eine erhebliche Unterstützung bedeutet, wenn der Anzeigenverlag aus dieser Werbeaktion für sich selbst ca. 26.000 € erlöst. Der Provisionsanteil des Vertretes an dieser Aktion beläuft sich übrigens branchenüblich auf mindestens 40%.

Die Masche, an das Verantwortungsgefühl und soziale Gewissen der Unternehmer zu appellieren, ist derart erfolgreich, dass der Markt sich in den letzten Jahren trotz allgemeiner wirtschaftlicher Flaute der Werbebranche stark nach oben entwickelt hat. Nach meiner Schätzung beträgt das wirtschaftliche Volumen dieses Anzeigenbetruges mehrere hundert Millionen Euro jährlich, Tendenz weiter steigend.

Das Empfehlungsschreiben:

Besonders erfolgreich sind die Anzeigenfirmen, die sich Empfehlungsschreiben lokaler Institutionen erschwindeln und damit auf Kundenfang gehen. Denn zum guten Zweck kommt hier auch noch der starke Anreiz für den Unternehmer durch eine Werbeanzeige vermeinlich am eigenen Ort ein Tierheim, einen Sportverein oder etwa ein Behindertenzentrum zu unterstützen.

Ein konkretes Beispiel:

Das funktioniert so, dass der Anzeigenverlag im ersten Schritt beispielsweise eine Diakonie-Station anspricht, ob diese nicht ein Fahrzeug, etwa einen Transporter, gebrauchen könne. Der Verlag bietet an, dass Fahrzeug kostenfrei für 5 Jahre zur Verfügung zu stellen, lediglich laufende Kosten, Steuer und Versicherung seien selbst zu tragen. Im Gegenzug verpflichtet sich die Diakonie-Station, Werbeaufkleber auf dem Fahrzeug zu dulden und dem Anzeigenverlag ein vorformuliertes Empfehlungsschreiben zur Anwerbung von Anzeigenkunden zu unterzeichnen. Auf diese Weise wird die Diakonie-Station völlig unverhofft zum vermeintlichen Auftraggeber einer Werbeaktion und der Anzeigenverlag geht mit der Behauptung haussieren, die Diakonie-Station habe den Verlag beauftragt, Unternehmen zu finden, die den neuen Bus der Diakonie-Station durch Werbung finanzieren.

Der wirtschaftliche Schaden:

Was mich an dieser Sache bis Heute stört, ist die auf diese Weise geschickt aber dreist verpackte Lüge. In Wahrheit hat nämlich die Diakonie-Station keinen solchen Auftrag erteilt. Die ganze Aktion dient allein dem wirtschaftlich Nutzen des Anzeigenverlages. Denn mit dem Verkauf der Werbeanzeigen auf dem Bus, kalkuliert in der Regel mit ca. 20 Inseraten zu 3.000 € bis 5.000 € netto, erzielt der Werbeverlag in aller Regel einen Werbeumsatz von 70.000 € bis 100.000 €. Die Anschaffung des Fahrzeuges kostet davon aber allenfalls ein Drittel.

Der Bonus-Auftrag:

So richtig Kasse macht der Werbeverlag im übrigen dann, wenn die Werbeverträge in die automatische Verlängerung um eine weitere Vertragsperiode von 5 Jahren gehen. Denn jetzt ist nicht mal mehr die Anschaffung eines neuen Fahrzeuges erforderlich und selbst wenn die Aufkleber der Unternehmer erneuert werden, kostet das pro Werbefläche maximal 100 €. Kündigt der Unternehmer einen solchen Vertrag rechtzeitig innerhalb der ersten Vertragsperiode, wandern die Kündigungsschreiben beim Verlag daher auch regelmässig in die Ablage "P" wie Papierkorb. Dem Kunden wird dann nach Ablauf der Vertragsperiode die beglückende Mitteilung gemacht, dass sich der Vertrag aufgrund seiner Stammkundenoption automatisch um eine weitere natürlich wieder kostenpflichtige Periode verlängert hat.

Was wird noch finanziert:

Das Geschäft läuft mittlerweile derart gut, dass es fast nichts gibt, was von Anzeigenverlagen auf diese Weise nicht finanziert wird, das können Abfallbehälter für die Gemeinde, Pkw aller Art für Krankenhäuser, Kindergärten oder Tierheime, Schaukästen für Sportvereine, Apotheken oder Gesundheitszentren, Informationstafeln für Schulen, Defibrillatoren für Kindergärten, Schulen, Pkw-Anhänger für Tankstellen oder Hüpfburgen sein. Der kriminellen Fantasie der Verlage sind hier fast keine Grenzen gesetzt.

Was ist zu tun:

Wenn Sie als Unternehmer auf einen solchen Betrug hereingefallen sind, sollten Sie mit einem auf die Thematik spzialisierten Rechtsanwalt Kontakt aufnehmen, um das weitere Vorgehen zu beraten.

Institutionen wie Schulen, Vereine, Krankenhäuser, Tierheime und Sportvereine sollten sich gut überlegen, ob solche vermeintlich günstigen Angebote den Ärger und die Rufschädigung wert sind, die mit diesen Werbeaktionen typischerweise einhergehen. Auch für diese Institutionen empiehlt sich dringend die Kontaktaufnahme zu einem fachkundigen Rechtsanwalt.

(wdc)