Erbschaft und Schenkung

Das Erbrecht der Verwandten

Nach dem deutschen Erbrecht erben einerseits der überlebende Ehepartner und andererseits die noch lebenden Verwandten des Erblassers (verstorbene Person). Verwandt sind alle Personen, die gemeinsame Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, usw. haben [1]. Als nicht verwandt gelten insoweit alle verschwägerten Anverwandten. Allerdings sind nicht alle Verwandten in gleicher Weise gesetzlich erbberechtigt. Vielmehr besteht eine (ausschließende) Reihenfolge nach dem Grad der Verwandschaft und der Abkommenschaft.

Beispiel

Peter Grün ist verheiratet mit Lisa Grün, geborene Gelb. Das Paar hat zwei Kinder. Ein Verwandtschaftsverhältnis im erbrechtlichen Sinne besteht einerseits stammabwärts zwischen Peter Grün und seinen Kindern und andererseits stammaufwärts zunächst mit den Eltern von Peter Grün, mit seinen Geschwister sowie deren Kinder, sodann seinen Onkeln und Tanten sowie wiederum deren Kindern, sodann den Großeltern mit deren Abkömmlingen usw..

Erbrechtliche Verwandtschaft

Nach § 1589 BGB sind Personen, deren eine von der anderen abstammt oder die beide von derselben dritten Person abstammen, miteinander verwandt. Eine Person ist dabei nach § 1591 BGB das Kind derjenigen Mutter, die es geboren hat, und nach § 1592 BGB das Kind desjenigen Vaters, der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter verheiratet war, der die Vaterschaft anerkannt hat oder dessen Vaterschaft gerichtlich festgestellt worden ist.

Ein Kind kann deshalb unter Umständen zwei Väter haben, einen biologischen Vater und einen rechtlichen Vater. Grundsätzlich ist im Erbrecht nur die rechtliche Verwandtschaft zu berücksichtigen [2]. Ob ein Kind ehelich oder nichtehelich geboren wurde, spielt dagegen in aller Regel seit dem 01.01.1998 keine Rolle mehr.

Ordnungen, Stämme und Linien

Die Verwandten des Erblassers werden in verschiedene Ordnungen eingeteilt.

Zur 1. Ordnung gehören die Abkömmlinge des Erblassers Peter Grün, also alle seine Kinder und Kindeskinder (grün).

Zur 2. Ordnung gehören die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, also alle Geschwister, Neffen, Nichten, Großneffen und Großnichten des Peter Grün (violet).

Zur 3. Ordnung gehören die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, also Onkel, Tanten, Vettern, Cousinen sowie deren Abkömmlinge (blau).

Zur 4. Ordnung gehören die Urgroßeltern und deren Abkömmlinge (rot).

Unter einem Stamm versteht man die Verwandtschaftsbeziehungen einer Person zu ihren Abkömmlingen. Die Kinder von Peter Grün gehören also zum Stamm Peter Grün.

Unter einer Linie versteht man die Verwandschaftsbeziehungen einer Person zu ihren Vorfahren. Die Vorfahren von Peter Grün gehören deshalb zu den verschiedenen Linien violet, blau und rot.

Gesetzliche Erbfolge und Erbquote

Das gesetzliche Erbrecht der Verwandten richtet sich nach der Einteilung in Ordnungen, Stämme und Linien [3].

Zunächst einmal schließen Verwandte der näheren Ordnung die Verwandten der entfernteren Ordnungen von der gesetzlichen Erbfolge vollständig aus. Verwandte der 2. Ordnung erben also nur, wenn der Erblasser Peter Grün keine Kinder hinterlässt. Verwandte der 3. Ordnung erben nur, wenn keine Verwandten der 1. und der 2. Ordnung mehr vorhanden sind.

Steht fest, welche Ordnung für die Erbfolge maßgeblich ist, richtet sich die gesetzliche Erbfolge sodann nach dem Stammes- oder Linienprinzip und Prepräsentationsprinzip. Diese besagen, dass an die Stelle eines nicht mehr lebenden erberechtigten Verwandten dessen noch lebende Abkömmlinge treten, wobei ein zum Zeitpunkt des Erbfalles noch lebender Abkömmling die durch ihn mit dem Erblasser verwandten weiteren Abkömmlinge von der Erbfolge ausschließt.

Diese Erbfolge gilt für alle Erbfälle der 1., 2. und 3. Ordnung. Ab der 4. Ordnung und für alle Folgeordnungen gilt, dass noch lebende Urgroßelternteile (Ururgroßeltern usw.) alleine erben und beim Fehlen von Urgroßeltern diejenigen Abkömmlinge als alleinige Erben an ihre Stelle treten, die mit dem Erblasser dem Grade nach am nächsten verwandt sind.

Die Erbquote richtet sich nach der Anzahl der Erbberechtigten und deren Verwandtschaft zum Erblasser. Abkömmlinge des Erblassers bzw. deren Stämme erben zu gleichen Anteilen. Dies gilt auch entsprechend für die Linien 2. und 3. Ordnung.

Abweichende Regelung

Die gesetzlichen Regelungen für das Verwandtenerbrecht kann man abändern, indem man ein Testament erstellt und so sein Vermögen abweichend von den gesetzlichen Bestimmungen ganz gezielt bestimmten Personen durch Erbschaft, Auflage oder Vermächtnis zukommen lässt.

Fußnoten

[1] Ausschlaggebend ist allein die rechtliche Verwandschaft, die nicht zwingend mit der biologischen Verwandtschaft übereinstimmen muß.

[2] Ausnahmen bestehen bei der Stiefkind- und Verwandtenadoption sowie der Volljährigenadoption.

[3] Parentelsystem, Stammes- und Liniensystem, Gradualsystem sowie Repräsentationsystem.